RP, 28.08.2026, Sonsbeck
Anja Bibby sang vor geschätzt 120 Gästen zur Tuba-Begleitung von Johannes Bär zwei Lieder aus der Kategorie Oper, bevor die Band „Rüdigers Hofmusik“ zu spielen begann. Foto: Armin Fischer (arfi)
Erlebnishof in Sonsbeck
Wo der Feldweg zur Konzertbühne führt
Sonsbeck · Auf dem Klappboomshof in Sonsbeck lauschen rund 120 Menschen „Rüdigers Hofmusik“. Zwischen Wein, Tuba, Tiny House und Feldblick erleben die Gäste, wie vielseitig Bauernhöfe sind.
Von Heidrun Jasper
Radfahrer haben am Donnerstagabend so manchem ortsunkundigen Autofahrer den Weg zum Klappboomshof gewiesen. Und es wollten viele zu dem zwischen Sonsbeck und Veen gelegenen Bauernhof an der Stadtveener Straße 54. Denn dort spielte die Band „Rüdigers Hofmusik" im Rahmen des diesjährigen Höfefestivals im Kreis Wesel ein kostenfreies Konzert. Dort konnte man der Musik in lauschiger Atmosphäre auf einer Kutsche, der Außentreppe zur oberen Etage des Hofes oder an einer der Bierzeltgarnituren beim Glas Wein des Weinhofes Viniazzi aus Geldern-Pont lauschen. Dazu ein bayrischer Laugenburger mit Leberkäse, dem man sich selber mit Gurken, Tomaten, Röstzwiebeln und Salat belegen konnte – herrlich!
Das „Startzeichen" gab ein Spezialgast: Anja Bibby sang vor geschätzt 120 Gästen zur Tuba-Begleitung von Johannes Bär zwei Lieder aus der Kategorie Oper, bevor die Band um den österreichischen Jazz- und Unterhaltungsmusiker Pop, Filmmusik und Volkslieder mit den Klängen des Jazz kombinierte. „Rüdigers Hofmusik", das sind Saxofonist André Meisner, Alexander Morsey (Bass, Tuba), Gitarrist Serge Corteyn, Giuseppe Mautone am Schlagzeug und Band-Leader Johannes Bär. Sie hatten vor ihrem Konzert am Donnerstag auf dem Klappboomshof schon am Ueltgeshof in Moers und dem Buschmannshof in Neukirchen-Vluyn mit ihrer Musik überzeugt. Und sie sorgten auch auf dem stimmungsvoll illuminierten Gelände der Hofbesitzer Brigitte und Johannes van Betteray für ein besonderes Erlebnis beim altersgemischten Publikum.
INFO
So geht es mit der Konzertreihe weiter
Höfefestival Weitere Termine des Höfefestivals 2026, das im linksniederrheinischen Teil des Kreises Wesel noch bis zum 6. September andauert, sind: Samstag, 29. August, um 19 Uhr auf dem Ramkershof in Hoerstgen, dann spielt das „Oddgeir Berg Trio". Das Trio „Jo Aldingers Downbeatclub" ist am Sonntag, 30. August, 19 Uhr auf der Gemeindewiese in Budberg, am Montag, 31. August, um 20 Uhr auf dem Hof „Kleine Gönn" am Urselmannsweg 3 in Xanten und am Dienstag, 1. September, um 20 Uhr in Kamp-Lintfort auf dem Hof Grote Schroers an der Niederstraße 54 a zu hören. „Synkope" spielt am Mittwoch, 2. September, 20 Uhr auf dem Raymakershof an der Xantener Straße 181 in Sonsbeck, am Donnerstag, 3. September, 20 Uhr auf dem Springenhof an der Weinstraße 23 in Neukirchen-Vluyn und am Freitag, 4. September, 20 Uhr auf dem Nimmendohrs Hof in Kamp-Lintfort (Nimmendohrstraße 53). Am Samstag, 5. September, gibt es ab 11 Uhr Wanderungen, ab 16.30 Uhr Hofführungen und ab 19 Uhr Musik des „Five Guys Quartett" auf dem Schanzenhof in Veen. Weitere Infos unter kulturprojekte-niederrhein.de
Mit der großen Resonanz hatte auch Jan van Betteray nicht gerechnet. Der Weg zum Hof war an beiden Seiten zugeparkt, viele Fahrräder lehnten an den Hausmauern. Aufgabe des 27-Jährigen, der auf dem elterlichen Hof an der Stadtveener Straße groß geworden ist und lebt, war es, Besucher vor dem Konzert über den Erlebnishof zu führen und die verschiedenen Angebote zu zeigen. „Ich musste zwei 30-köpfige Gruppen bilden", erzählte er erfreut über das große Interesse an dem Klappboomshof. Der wurde erstmals im Jahr 1735 in einem Register erwähnt, das für das Amt der damaligen Stadt Sonsbeck erstellt wurde. Der Name, so haben die heutigen Besitzer für ihre Webseite recherchiert, leite sich von der naheliegenden Schranke ab, die den Grenzübergang vom Herzogtum Kleve nach Alpen markierte. Der Weg habe damals über den Hof geführt.
Damals gab es allerdings noch nicht die vier weißen Esel, die auf dem Hof leben und für Führungen gebucht werden können. „Esel brauchen eigentlich eine Steppe. Wenn sie auf einer saftigen Wiese stehen, werden sie zu dick", erklärte Jan van Betteray und stellte das Quartett vor: „Das ist Bruno, ein Halbmann. Der kann keinen Nachwuchs mehr zeugen." Genauso alt wie Bruno, nämlich zehn Jahre, sei Beate. „Sie hat Asthma. Also haben wir eine Salzhütte gebaut, da ist sie anfangs regelmäßig reingegangen. Heute nur noch ab und zu, das Asthma hat sich gebessert", erzählte der 27-Jährige. Menschen, so betonte er, könnten die Salzhütte aber auch nutzen.
Weiter ging es, vorbei an einer ehemaligen Scheune, die zu sieben Miet-Garagen umgebaut worden ist, zu einer Wiese, die Platz für drei Campingwagen bietet. Ob es da auch Strom gebe, wollte ein Besucher wissen. „Ja, da unter dem schwarzen Eimer", so Jan van Betteray. Und Wasser liefere ein Brunnen, der auch einen kleinen Bach speise, den er von einem Entwässerungsgraben abgetrennt und in dem er ein paar Goldfische ausgesetzt habe.
Der Graben verläuft neben einem Bus, den Jan van Betteray so umgebaut und eingerichtet hat, dass man darin mit zwei Personen übernachten kann. Wie ein Tiny-Haus, mit Küche im ehemaligen Cockpit und Blick auf ein großes Feld, an dessen Ende man abends die Sonne untergehen sehen kann.
Kühe gab es übrigens auf dem Klappboomshof nie, wohl aber Schweine. Die Zucht haben Johannes und Brigitte van Betteray aber vor fünf Jahren aufgegeben, sich andere Standbeine gesucht. Eselwanderungen, kreative Workshops wie Paletten bauen, Herbstdeko basteln oder Blumenkränze binden, die gebucht werden können. Auch Campingplätze werden vermietet oder Kindergeburtstage ausgerichtet. Weitere Infos unter www.klappboomshof.de
(jas beaw)





