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SCHON DABEI?

RP, 30.08.2026, Neukirchen-Vluyn

Der CSD-Umzug auf dem Weg zum Vluyner Platz. Die Polizei sprach von 450,
die Organisatoren von bis zu 700 Teilnehmenden. Foto: Armin Fischer (arfi)

Fünfter CSD

CSD in Neukirchen-Vluyn stellt Rekord auf

Neukirchen-Vluyn · Neukirchen-Vluyn erlebt den größten CSD im Kreis Wesel. Vereine, Rikschas und ein Karnevalswagen setzen ein Zeichen für Toleranz und gegen Ausgrenzung.

Von Peter Gottschlich

„In Neukirchen-Vluyn hat der CSD eine besondere Atmosphäre“, sagte Ulle Schauws. „Ich bin gerne hier.“ Die Grünen-Bundestagsabgeordnete war schon 2022 beim ersten Christopher Street Day dabei und erlebte mit, wie der „CSD Neuqueerchen-Vluyn“ bei jeder Ausgabe wuchs. „Diesmal waren 600 bis 700 Besucherinnen und Besucher beim Umzug dabei“, berichtete Christian Pelikan vom Organisationsteam. „Bei der Kundgebung auf dem Vluyner Platz waren es 800 bis 900. Das ist Besucherrekord.“ Die Polizei war mit ihrer Schätzung vorsichtiger. Sie sprach von 450 Teilnehmenden beim Umzug und bei der Abschlussveranstaltung.

Karnevalisten ziehen mit

Pelikan organisiert mit dem Grünen-Ortsverband und Rüdiger Eichholtz vom Verein Kulturprojekte Niederrhein federführend den CSD, unterstützt von zahlreichen Vereinen und Organisationen. Erneut war der CSD in Neukirchen-Vluyn der größte CSD im Kreis Wesel.

Erstmalig war beim fünften CSD ein Wagen des Karnevalsvereins Blau-Weiße Funken dabei, als der Umzug über die Niederrheinallee zum Vluyner Platz rollte. Schon zum dritten Mal fuhr die Initiative „Radeln ohne Alter“ mit, diesmal mit sieben Rikschas und 14 Fahrgästen. „Der CSD steht für Vielfalt und Toleranz“, sagte Willi Ehrmann, Sprecher der Initiative. „Er steht für die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben.“

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Die Initiative „Radeln ohne Alter“ nahm mit Rikschas teil. Foto: Armin Fischer (arfi)


„Vielfalt ist nicht nur zu tolerieren, sondern wertzuschätzen“

Dabei gibt es Leute, die Vielfalt und Toleranz wohl nicht zu schätzen wissen, wie Hass-Kommentare im Internet zeigten, nachdem Bürgermeister Dirk Schauenberg und Christian Pelikan am Montag vor dem CSD vor dem Rathaus eine Regenbogenfahne gehisst hatten. „Vielfalt ist nicht nur zu tolerieren, sondern wertzuschätzen“, sagte der Bürgermeister bei der CSD-Kundgebung auf dem Vluyner Platz. „Eine Gesellschaft profitiert davon, wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen.“

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Der Chor Colorsounds sang nach dem Umzug auch auf der Party auf dem Vluyner Platz.
Foto: Armin Fischer (arfi)


Auch der Ex-Neukirchen-Vluyner Patrick Kampa berichtete über Hass, den er erlebte, als Mitte August ein Artikel über ihn erschien.„Mit Liebe antworten wir auf Hass. Wir lassen uns nicht spalten“, sagte das Mitglied des Landesvorstands des LSVD Verbands Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg. Kampa blickte auf den Anschlag beim CSD in Berlin am 25. Juli zurück. Eine Mutter, die ihre queere Tochter begleitet hatte, starb, nachdem ein Autofahrer sein Fahrzeug in den Umzug gelenkt hatte. „Danke, dass Du für Deine Tochter da warst“, sprach Kampa sie direkt an.

Die Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws (Grüne), Lizzy Schubert (Linke) und Jan Dieren (SPD) sprachen sich dafür aus, den dritten Artikel des Grundgesetzes zu ergänzen. Genauso wie niemand wegen seiner Religion oder politischen Meinung benachteiligt oder bevorzugt werden dürfe, solle dies auch für die sexuelle Orientierung gelten.

Mann mit blauer AfD-Jacke

Dabei zeigten sich die Teilnehmenden des fünften CSD selbst tolerant. Ein junger Mann in einer hellblauen AfD-Jacke interviewte Menschen auf dem Platz und ließ sich dabei filmen. „Wir sind nicht erfreut über diesen Besuch, aber als Journalist darf er das“, sagte Christian Pelikan am Rande von Kundgebung und Party, bei der unter anderem der Chor Colorsounds aus Wesel sang.

Die Polizei bezeichnete den CSD in Neukirchen-Vluyn als „friedlich, stimmungsvoll und störungsfrei“. Nach dem Anschlag in Berlin sei es der Polizei „ein besonderes Anliegen“ gewesen, „das Sicherheitsgefühl der Teilnehmenden zu stärken“. Die Kreispolizeibehörde zeigte während der Veranstaltung deutlich Präsenz und arbeitete dabei nach eigenen Angaben eng mit der Kommune und den Veranstaltern zusammen.

Grundrecht auf Versammlungsfreiheit

Einsatzleiterin Sabine Kunst, Leiterin der Polizeiwache Süd in Moers, zog ein positives Fazit. „Mein Dank gilt den eingesetzten Kräften für ihre professionelle und bürgerorientierte Arbeit. Sie haben dazu beigetragen, dass die Teilnehmenden ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit sicher und ungehindert wahrnehmen konnten", sagte Kunst.

(got pogo)




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