RP, 20.01.2026, Kamp-Lintfort
Susanne Rous, Leiterin des Kulturbüros, Rüdiger Eichholtz und Kulturdezernent Christoph Müllmann stellten das Programm vor. Foto: Stadt Kamp-Lintfort
Neue Jazz-Reihe startet im Schirrhof
Kultur in Kamp-Lintfort
Kamp-Lintfort · Bis zu den Sommerferien stehen sechs Konzerte auf dem Programm, zum Teil mit Newcomern, die auf dem Sprung an die Spitze sind, zum Teil mit Musikern, die einen großen Namen haben wie die Jazzpianistin Julia Hülsmann. Der Eintritt ist frei.
Von Peter Gottschlich
Schon seit 2020, als der Schirrhof als dritter Ort neu eröffnet wurde, nachdem er zu seinem 100. Geburtstag kernsaniert worden war, werden dort Jazzkonzerte gegeben. Aus diesen Konzerten entwickelte sich im Jahr 2024 die Reihe „Schirrhofjazz“. Nächste Woche Mittwoch startet der Schirrhofjazz in sein drittes Jahr. Das SVM 3 Trio gastiert am 28. Januar um 20 Uhr im Pferdestall des Schirrhofs, der einen guten halben Kilometer südlich des großen Förderturms an der Friedrich-Heinrich-Allee liegt.
„SVM steht für Svetlana Mari“, sagt Rüdiger Eichholtz und blickt auf das erste Konzert am letzten Mittwoch im Januar. „Sie ist eine junge Keyboarderin und Jazzpianistin, die in Berlin lebt. Im Trio spielt sie mit zwei weiteren jungen Jazzmusikern zusammen. Es präsentiert zeitgenössischen Jazz mit internationalem Einfluss. Für das Trio ist es die Möglichkeit, einmal woanders zu spielen, um ein Sprungbrett für größere Auftritte zu haben“, sagt Eichholtz.
INFO
Bergbau und Backstein-Expressionismus
Geschichte Der Schirrhof wurde von 1920 bis 1921 errichtet, um Pferde aufnehmen zu können, die im Bergbau unter- und übertage eingesetzt wurden. Schon nach wenigen Jahren wurden dort die motorisierten Fahrzeuge des Bergwerkes „Friedrich Heinrich“ untergebracht. Der Schirrhof zählt zu den ersten Gebäuden in Kamp-Lintfort, die von Zechenbaumeister Johann Onnertz im Stil des Backstein-Expressionismus errichtet wurde. Gebäude in diesem Stil, der sich in den 1920er Jahren durch Ziegelornamentik und Proportionen auszeichnete, sind in Kamp-Lintfort so viele wie nur in wenigen anderen Städten zu finden, zum Beispiel rund um den Pappelsee.
Er ist Vorsitzender des Vereins Kulturprojekte Niederrhein, von dem die Reihe Schirrhofjazz kuratiert wird, die bis zu den Sommerferien sechs Konzerte umfasst. Gefördert wird sie über das über RKP, das Regionale Kultur Programm NRW, sowie das Programm „Dritte Orte“ und über das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Organisiert wird die Reihe über eine Kooperation, die der Verein Kulturprojekte Niederrhein und die Stadt Kamp-Lintfort bilden, bei der sich Kulturdezernent Christoph Müllmann und Susanne Rous als Leiterin des Kulturbüros einbringen.
Die Künstler und Gruppen sind zum einen Newcomer, die auf dem Sprung sind, wie das SVM 3 Trio, zum anderen Bands und Künstler, die in der Jazzszene bekannt sind, zum Teil auch darüber hinaus. Das gilt zum Beispiel für die Band „8 octopi“, die in Zürich in der Zentralschweiz zu Hause ist. Sie macht am 20. März um 20 Uhr Station im Schirrhof. „Die Band um den Flötisten Ben Zahler verbindet jazzigen Sound mit poetisch-sarkastischen Texten“, blickt Rüdiger Eichholtz auf den Freitag, der eine Woche vor den Osterferien liegt. „Die Band ist auf einer kleinen Tournee, die in der Schweiz startet. Über Süddeutschland und den Niederrhein geht es für sie nach Belgien. Kamp-Lintfort hat den Vorteil, genau zwischen Paris und Berlin zu liegen, nahe an den drei Beneluxstaaten.“
Nils Wogram lebt ebenfalls in Zürich und ist in der Jazzszene bekannt. Um ihn hat sich das Nostalgia Trio gebildet, das am 15. April um 20 Uhr im Schirrhof zu hören ist. „Er ist ein Posaunist der Extraklasse“, schaut Rüdiger Eichholtz auf den Mittwoch nach den Osterferien. „Hammond-Orgel-Spieler Arno Krijger und Schlagzeuger Dejan Terzic komplettieren das Trio. Es steht für Musik, die heimelig klingt und mitreißend groovt.“ Das Trio fährt von Kamp-Lintfort weiter nach Bremen, wo vom 22. bis 25. April die „jazzahead!“ läuft, die auf dem Messegelände am dortigen Hauptbahnhof eine internationale Fachmesse und ein Festival für Jazzmusik ist.
Mike Parker ist über die Jazzszene hinaus bekannt. Er ist Bassist und Komponist aus New York, lebt heute in der Stadt Krakau in Polen. „Er bringt Musiker von dort mit“, blickt Rüdiger Eichholtz auf Mittwoch, 29. April, 20 Uhr. „Er ist mit Musikern aus Polen auf einer internationalen Tour. Die Gruppe präsentiert eine energiereiche Synthes aus Rock und Pop, aus Jazz und Klassik.“
2014 war Jazzpianistin Julia Hülsmann „Improviser in Residence“ für das Moers Festival. Am 12. Mai gastiert die Bonnerin, die heute in Berlin lebt, um 20 Uhr an der Friedrich-Heinrich-Allee. Begleitet wird sie vom Bassisten Achim Tang und vom Trompeter John-Dennis Renken, die 2011 und 2017 „Improviser in Residence“ in der Grafenstadt waren. „Sie ist die „grand dame“ am Piano“, freut sich Rüdiger Eichholtz auf das Konzert am Dienstag vor Christi Himmelfahrt. Der Vorsitzende des Vereins Kulturprojekte Niederrhein rechnet mit einem vollen Haus: „Die meisten Konzerte werden von 50 bis 100 Personen besucht. Bei Achim Tang, John-Dennis Renken und ihr werden es mehr sein.“
Der Pianist David Hellbrock sowie die Cellistin und E-Bassistin Julia Hofer schließen das erste Halbjahr der Reihe Schirrhofjazz ab. Der Wiener und die Wienerin geben ein Konzert am 14. Juli, 20 Uhr. „Durch die Landesförderung sind die Konzerte für die Besucher kostenlos“, erläutert Rüdiger Eichholtz. „So können auch Personen kommen, die sich sonst keinm Konzerteintritt leisten könnten. Es wird aber um eine Hutspende gebeten.“
(got aka )




