RP, 07.08.2026, Kamp-Lintfort
Der Nimmendorfhof ist Spielort des Höfefestivals im August. Musiker André Meisner genießt die Ruhe des ländlichen Raumes. Foto: Olaf Reifegerste
Höfefestival 2026 in Kamp-Lintfort
Leben und Musizieren auf dem Nimmendohrhof
Kamp-Lintfort · Der Nimmendohrhof des Ehepaares Agnes Rademaker und Klaus Ernst ist nicht nur Spielstätte für das „Höfefestival“ im Kreis Wesel. Der Saxofonist und Duduk-Spieler André Meisner fand mit dem Umzug von der Großstadt aufs Land dort ein neues Zuhause.
Von Olaf Reifegerste
Als sich im Spätsommer 2017 der Verein „Kulturprojekte Niederrhein“ unter der Federführung von Rüdiger Eichholtz gründete, ahnte wohl niemand, was dieser innerhalb von bisher neun Jahren mit seinem Team in Sachen Kunst und Kultur so alles in dieser Region auf die Beine stellen würde. Hauptziel des Vereins ist gemäß Satzung „die Förderung regionaler Vernetzung am Niederrhein“.
Die Kultur im ländlichen Raum
Zu einem Leuchtturmprojekt innerhalb der vielfältigen Veranstaltungsformate haben sich inzwischen die Konzerte auf Bauernhöfen entwickelt. Denn die teils prächtigen Höfe und ihre besonderen Lebenswelten sind weiterhin prägend für die Kultur des ländlichen Raums mit seiner handwerklichen und landwirtschaftlichen Vergangenheit.
INFO
Höfefestival beginnt auf dem Schirrhof
Festivalstart Eröffnet wird das diesjährige „Höfefestival“ am Sonntag, 23. August, um 18 Uhr auf dem Schirrhof vom Gelände der ehemaligen Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort mit den Gebrüdern „Tanga Elektra“ sowie Johannes Bär, André Meisner und Dvora Davis. Der Eintritt ist frei, doch um Spenden wird gebeten.
Mitten in der Coronazeit, im Sommer 2021, wurde erstmals die jährlich stattfindende Reihe „Hofkonzerte“ in den sogenannten „wir4kultur“-Städten Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg durchgeführt. 2023 wurde die Veranstaltungsreihe auf den gesamten Kreis Wesel erweitert – zunächst nur linksrheinisch, ein Jahr später dann auch rechtsrheinisch.
Seit 2025 findet nun jeweils zum Ende der ersten Jahreshälfte das „Höfefestival“ am rechten Niederrhein statt sowie zu Beginn der zweiten Jahreshälfte dann das am linken Niederrhein, so auch in diesem Jahr in der Zeit vom 23. August bis 6. September. Doch nicht nur neue Städte und Ortschaften kamen im Laufe der Jahre hinzu, sondern immer wieder auch neue Bauernhöfe. So war es auch beim Nimmendohrhof im Ortsteil Rossenray in Kamp-Lintfort, der seit 2022 dabei ist. Die Idee, ihren Hof für ein Konzert zur Verfügung zu stellen, kam den Hof-Eigentümern Agnes Rademaker und Klaus Ernst einen Sommer zuvor, als diese selbst Gäste der Hofkonzerte waren. In diesem Jahr ist der Nimmendohrhof zum fünften Mal Austragungsort für ein Konzert beim „Höfefestival“. Zu Gast am 4. September um 20 Uhr wird dann die fünfköpfige Musikerformation „Synkope“ sein.
Hofanlage entstand im 17. Jahrhundert
Der Name Nimmendohrhof, gelegen an der Nimmendohrstraße 53, leitet sich von der ehemaligen gleichnamigen Bauernfamilie Nimmendohr aus Rossenray ab, die einst dort ansässig war. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gehört die im 17. Jahrhundert entstandene Hofanlage in fünfter Generation der Familie Rademaker. Im Besitz der Eheleute Rademaker-Ernst ist der Hof seit 1998. Doch sie betreiben den Hof nicht als landwirtschaftlichen Betrieb, sondern ausschließlich als eigenen Zweitwohnsitz sowie als Vermietungsobjekt für eine Fremdmietwohnung und weitere temporäre Einzelzimmervermietungen.
Von Oberhausen nach Kamp-Lintfort
In diesem Zusammenhang, wie auch durch die Vermittlung von Rüdiger Eichholtz sind André Meisner und seine Lebensgefährtin von Oberhausen nach Kamp-Lintfort umgezogen. Davor hatten sie im Duisburger Wasserviertel gewohnt. „Auf dem Nimmendohrhof zu leben, ist wie auf dem Land“, sagt Meisner im Gespräch. „Hier sieht man nicht nur Natur, hier hört man sie auch. Denn alter Baumbestand rund um die geschlossene, vierflügelige Hofanlage bietet vielen Vögeln Lebensraum“, betont der Musiker.
Ein Rundgang durch die geräumigen ehemaligen Kuh-, Pferde- und Schweineställe, die verschiedenen Scheunengebäude als auch durch den schönen Innenhof zeugen von der Größe des einstigen Landwirtschaftsbetriebes. „Neben dem Wohnhaus gleich nebenan habe ich sogar meinen eigenen Übungsraum. Hier kann ich auch nachts proben und keiner hört mich.“
Jazz, Duduk und experimentelle Klangformate
Musikalisch arbeitet Meisner an den Schnittstellen zwischen zeitgenössischem Jazz, armenischer Duduk-Tradition und experimentellen Klangformaten. „Meine erste musikalische Heimat ist zwar der Jazz und das Saxofon“, erzählt er, „doch in der Duduk habe ich ein Instrument gefunden, das meinem Naturell noch mehr entspricht.“ Die Duduk ist ein traditionelles armenisches Blasinstrument aus Aprikosenholz, dessen warmer, nasaler und zarter Klang oft als besonders melancholisch beschrieben wird. Nicht umsonst heißt es: „Kein Instrument weint so schön wie die Duduk.“ Meisners Begegnung mit dem Instrument kam übrigens über die Band „Jazzpiya“ des kurdischen Sängers Necati Teyhani zustande.
Was mit leiser Neugier begann, wurde zu einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem armenischen Nationalinstrument. Dazu gehörten Reisen nach Armenien (2017, 2024 und 2025), der regelmäßige Austausch mit und Unterricht bei Arsen Petrosyan, eine inspirierende Begegnung mit Gevorg Dabaghyan sowie von 2018 bis 2022 Lehrjahre beim Duduk-Meister Hovhannes Margaryan, ist auf der Homepage des Künstlers nachzulesen.
https://kulturprojekte-niederrhein.de/events/2026-hoefefestival
(reife aka )





